“Einmal sehen wir uns wieder” heißt ein Lied des Österreichers Andreas Gabalier. Ein Lied über das Loslassen und doch auch der Gewissheit, dass nichts und keiner verloren geht. Ein Lied über die Kraft hinter den Schleier zu schauen, im Wissen, das zwar der Körper abgegeben wird, jedoch die Seele bleibt. Ein Lied über die Ahnen.

Viele solcher Lieder gibt es. Wie von Peter Maffay “Die Liebe bleibt”. Lieder voller Weisheit.

Am Wochenende sitzen mein Mann und ich manchmal noch etwas länger am späten Frühstückstisch und spielen uns gegenseitig Lieder von Youtube vor. Lieder, die uns einst oder jetzt berührt haben und berühren, Lieder, die der andere erraten soll, oder auch solche, die uns an bestimmte Zeiten erinnern.

Und wir fanden Lieder aus der Zeit 1936 – 1960. Von Marika Rökk über Conny Froboess, Zarah Leander, Marlene Dietrich. Lieder meiner Eltern und Großeltern.

Wir erinnerten uns an die Großeltern und stellten fest, dass sowohl in meiner Familie (wo der Krieg immer präsent war durch die Flucht aus Ostpreussen), als auch in der Familie meines Mannes, besonders das Lied “Lilly Marlen” mit Soldaten und Krieg in Verbindung gebracht wurde.

In den letzten Jahren hatte ich viel über diese Zeit gelesen. Über Zeitzeugen der Rheinwiesen. Über gefallene Soldaten. Über Fluchtbewegungen im deutschen Reich und auch über Umsiedlungen ins Generalprotektorat. Auch die Reportage über das Projekt von Michael Patrick Kelly “Peacebell” berührte mich. Sein Rundgang auf der Fläche in Verdun, wo die große Schalcht des ersten Weltkriegs zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, berührte mich, besonders als junge Freiwillige über ihre Kriegsgräberfürsorge berichteten. Auch in der Sendung “Sing meinen Song” kam das Thema zur Sprache durch den Sänger von Pur.

Während wir über Volkslieder, Liedgut im Krieg, Unterstützung der Soldaten und all diese Dinge sprachen, spiele mein Mann plötzlich dieses Lied von Gabalier.

Eine Welle von Trauer durchzog mich, die so stark war, dass ich intuitiv wußte, dies war kollektiv. So unendlich viel Leid, das unsere Soldaten hatten fühlen müssen. Sehnsucht nach ihren Lieben und doch hatten sie die Kraft, für das Land in dem sie lebten, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Für das was sie liebten alles zu riskieren.

So ein großes Gefühl von Trauer kenne ich eigentlich schon lange nicht mehr. Tod ist für mich nur ein Übergang.

Und doch liefen mir die Tränen. Wieder und wieder. Zeit für Befreiung. Für Befreiung von der Sprachlosigkeit. Das war in meinem Herzen zu spüren.

Ja, ich möchte diesen Männern, die versucht haben mit Vaterlandsliebe im Herzen, uns vor den Plänen der Hochfinanz zu bewahren, danken dürfen. Ja, das ist unpopulär. Ja, kaum einer weiss, dass diese Befreiung ein Bestreben Hitlers persönlich war. Man kann es googlen. Man kann es auf youtube hören. Noch…

Wer Augen hat, der sehe. Wer Ohren hat, der höre.(Fürs Protokoll: jegliche politische Richtung ist mir Schnuppe und ja, es sind viele schreckliche Dinge passiert! Auf allen Seiten.)

Auch wenn die meisten einfachen Soldaten sich hierüber wahrscheinlich nicht im Klaren waren, die Generäle wußten dies. Und stützten es. Und auch ohne diesen Hintergrund, waren es unsere deutschen Männer, die einfach versucht haben das Richtige zu tun. Mit dem Wissen, das sie hatten. Manche mehr, manche weniger.

Ich möchte also als Mensch allen unseren Soldaten von Herzen danken für ihren Dienst an unserem Land. Bitte verzeiht die Sprachlosigkeit der Bevölkerung. Bitte verzeiht, dass nicht mehr Menschen für euch eingestanden sind, obwohl ihr für das gemeinsame Land euer Leben und euer Herz gegeben habt. Und ich möchte ihnen auch verzeihen für die moralisch nicht einwandfreien Taten, in die sich mancher hat hineinziehen lassen.

Und ja, dies müsste man auch für alle anderen Soldaten fühlen. Nur jetzt sind unsere Jungs und Männer von damals dran. Jetzt in diesem Moment. Unsere Jungs, die überzeugt waren das Richtige für ihre Familien und das Land zu tun. Und die ihre Pflicht getan haben. Deutsche Soldaten, unabhängig in welchen Zeiten, sind ebenso wenig Monster, wie die der anderen Länder. Es sind Söhne, Väter, Großväter. Ehemänner, Freunde, geliebte Menschen. Mitglieder von Familien, die sie vermissten. Und zum Teil heute noch vermissen.

Und helfen wir mit unserer Liebe und unserer Bereitschaft zu verzeihen, dass sie Frieden finden, helfen auch sie uns dieses Land zu heilen.